26. November 2019

Intag-Bericht November 2019

DECOIN-Direktor Carlos Zorrilla berichtet hier von Themen, die unsere Projekt-Region Intag derzeit bewegen:

Auf eine brutale Trockenzeit, während derer Weiden und Feldfrüchte vertrockneten und sich Dutzende Brände entzündeten, folgten ab Mitte Oktober fast tägliche Niederschläge und die Intag-Region begrüßte den Beginn der Regenzeit. In einem typischen Jahr dauern die Regenfälle von November bis Anfang Juni, mit nur wenigen Wochen Unterbrechung. Doch zum Glück regnet es gewöhnlich erst am späten Nachmittag oder Abend; die Vormittage sind oft sonnig und klar.

Begrüßung einiger Fluggäste aus dem Norden

Der Regen bringt auch die ersten Zugvögel aus dem Norden: Den schönen Rosenbrust-Kernknacker; den allgegenwärtigen Fichtenwaldsänger1, die unscheinbare Zwergdrossel2 und den leuchtend roten Sommer-Tanager. Sie gesellen sich für ein paar Monate zu unseren 222 heimischen Vogelarten, um der Kälte zu entfliehen. Aufgrund ihrer Anwesenheit liegt mehr Gesang in der Luft, denn die heimischen Vögel singen lauter, um ihr Revier klar abzugrenzen. Genug Platz ist jedoch für alle da: Für die 24 Kolibri-Arten, die 25 Tanager-Arten, die beiden Quetzal-Arten sowie Tukane, Baumsteiger und Pieperwaldsänger. Ja, es gibt unvermeidliche Streitereien zwischen Neuankömmlingen und den heimischen Vögeln, aber es ist schön zu erleben, wie schnell sich die Differenzen auflösen. Der Lebensraum, den die Tropen für Zugvögel bieten, wird zwar wenig gewürdigt, dennoch spielen diese Wälder eine wichtige Rolle. Einige der Zugvögel werden auf ihrer Reise dem vom Aussterben bedrohten Andenadler, dem größten Adler in den Anden, zum Opfer fallen. Lediglich 200 Exemplare dieser Art sind in Ecuador offiziell belegt - einige davon leben in der Intag-Region. Dieser Adler ist nur eine von mehreren hundert Arten von Vögeln, Säugetieren, Amphibien und Fischen, die in Intag vom Aussterben bedroht sind. Lebensraumzerstörung und Bergbau stellen die Hauptbedrohungen dar, denen auch dieser majestätische Vogel ausgesetzt ist. Die dank „GEO schützt den Regenwald“ und LichtBlick geschaffenen Gemeindeschutzwälder sind die beste Hoffnung, ihren Bestand zu sichern.

Stärkung des Natur- und Umweltschutzes in Intag

Die meisten Leser dieser Berichte wissen um unsere erfolgreichen Projekte zur Schaffung von Gemeindewäldern und für den Schutz von Wassereinzugsgebieten. Diese sind unsere Antwort auf den tragischen Verlust von Lebensraum in dieser Ecke der Welt. In Ländern mit niedrigem Einkommen kann der Schutz der Natur eine echte Herausforderung darstellen. Gesetzliche Regelungen sind häufig ebenso wenig vorhanden wie die Förderung einer nachhaltigen Lebensmittelproduktion. Andererseits erschweren es kurzsichtige nationale Maßnahmen wie die Ausweitung des Bergbaus und der Erdölförderung, die vorhandenen Schutzmaßnahmen aufrechtzuerhalten. In unserem Fall gibt es Pläne für großflächige Bergbauvorhaben. Es ist daher ermutigend, wenn sich Initiativen bilden, um das zu erhalten und zu schützen, was von unserem Wald, unserer biologischen Vielfalt und unseren Wassereinzugsgebieten übrig ist. Eine solche Initiativen ist die „Vereinigung der Bürger des Kantons Cotacachi“. Die diesjährige Versammlung der Bürgervereinigung fand im November in Peñaherrera statt. An der Veranstaltung, die es seit 1997 gibt, nahmen 1.200 Menschen und Nichtregierungsorganisationen aus allen Bezirken des Kantons Cotacachi teil. Die Jahresversammlung wird von der „Asamblea“ organisiert, die die Bürgerinnen und Bürger von Cotacachi auffordert, Richtlinien für ihre lokalen Regierungen zu entwickeln. Dies ist ein wunderbarer Mechanismus, um die Bedürfnisse und den Willen der Gesellschaft effektiv in die Regierungspolitik einzubeziehen. Denn in der Tat müssen die auf der Versammlung gefassten Beschlüsse laut geltendem Recht von den Beamten der lokalen Regierungen umgesetzt werden. Wie in jedem Jahr war auch diesmal der Naturschutz ein zentrales Thema. Einer der wichtigsten verabschiedeten Beschlüsse war die Ablehnung des Bergbaus in der Intag-Region durch die Versammlung. Unter den vielen weiteren Beschlüssen: Maßnahmen zur Vermeidung und Bekämpfung von Waldbränden, mehr Unterstützung für Kleinbauern und Jugendgruppen, mehr öffentliche Plätze. Eine freudige Überraschung erlebte Silvia Quilumbango, die Präsidentin von DECOIN: Sie wurde für die kommenden zwölf Monate zur Präsidentin der Bürgervereinigung gewählt.

Alles in allem ein großartiger Monat für die Intag-Region und unsere Naturschutz-bemühungen.

1 Zum Überwintern zieht der Fichtenwaldsänger in die Anden nach Südamerika, Kolumbien, Ecuador und Peru. Die englische Bezeichnung „Blackburnian Warbler“ geht auf die englische Botanikerin Anna Blackburne zurück. ↩︎︎

2 Aus dem Englischen übersetzt-Swainsons Drossel, auch Olivensoor genannt, ist eine mittelgroße Drossel. Es gehört zur Gattung Catharus und ist durch seine gedämpfte Färbung und schöne Stimme typisch für sie. 
Swainsons Drossel wurde nach William Swainson, einem englischen Ornithologen, benannt. ↩︎︎

Unsere Autorin

 


Anke Blacha
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