Politik

LichtBlick-Aktuell: Energiewende im Eigenheim – der schlafende Riese

I. Darum geht‘s

Bundesweit eignen sich allein 10,8 Millionen Ein- und Zweifamilienhäuser für den wirtschaftlichen Einsatz von Solaranlagen. Sie bilden ein riesiges Potential, um aus Stromverbraucher*innen Prosumer (Produzent*innen (PROducer) und Konsument*innen (conSUMER) von Solarstrom) zu machen. Der Prosumer-Markt ist damit eine bedeutende Säule für die angestrebte Beschleunigung der Energiewende. Würden die Möglichkeiten vollständig genutzt, könnten Eigenheime so viel Strom erzeugen wie 10 Kohlekraftwerke.

Die Technologien sind vorhanden, von der PV-Anlagen bis zum Smart Meter, und das Interesse der Stromkund*innen, selbst zum Prosumer zu werden, ist riesig. Die neuen Möglichkeiten stärken den Klimaschutz und erhöhen die Akzeptanz der Energiewende und die Flexibilität in der Stromversorgung. Doch genutzt wird dieses Potential kaum. Die allermeisten Eigenheimbesitzer*innen fühlen sich durch technische Hürden und bürokratische Fallstricke abgeschreckt.

II. Die wichtigsten Fakten

Der gerade erschienene LichtBlick Prosumer-Report 2022 untersucht erstmals den bundesweiten Status des Prosumer-Marktes. Im Fokus stehen dabei sieben Schlüssel-Technologien für die Energiewende im Eigenheim: PV-Anlage, Heimspeicher, Wärmepumpe, Wallbox, E-Auto, Energiemanagementsysteme und Smart Meter.

Am weitesten verbreitet sind bisher Solaranlagen, 16% aller 10,8 Millionen solarfähigen Eigenheime produzieren bereits Sonnenstrom. Strombetriebene Wärmepumpen kommen in acht Prozent der Eigenheime zum Einsatz. Weitere relevante Technologien sind Heimspeicher (4%), Elek-troautos (3%), Wallboxen (8%), Smart Meter (3%) und Energiemanagementsysteme (2%). Die gute Nachricht ist: Das Zubau-Tempo hat 2021 bei fast allen Technologien angezogen.

Prosumer-Report Index ÜbersichtProsumer-Report Index Übersicht

Der für den Report entwickelte Prosumer-Index vergleicht die aktuelle Verbreitung der einzelnen Technologien mit ihrem Potential und gewichtet sie entsprechend ihrer Bedeutung. PV-Anlagen machen dabei als Basis des Prosumings 40% des Indexes aus, Managementsysteme nur 5%. Für das Jahr 2022 erreicht der Prosumer-Index unterm Strich 9,5 von 100 möglichen Punkten. Das heißt: Weniger als 10% des Prosumer-Potentials werden in Deutschland aktuell ausgeschöpft.

Bürokratie bremst Prosumer-Markt aus

Schon zur Anmeldung einer Solaranlage gibt es vom Netzbetreiber ein dickes Formular, in das unzählige Informationen händisch eingetragen werden müssen. Nächste Hürde: Die Anlage muss im Marktstammdatenregister angemeldet werden – für Laien eine Herkulesaufgabe.

Je nach Wohnsituation müssen auch hinter dem Netzanschlusspunkt Strommengen geeicht gemessen werden. Jeder Zähler erfordert einen genormten, teuren und sperrigen Zählerschrank. Ebenfalls schwierig wird es, dem Netzbetreiber anzubieten, je nach Netzzustand Strom aus der PV-Anlage oder dem Speicher ein- oder auszuspeisen. Wer diese Flexibilität am Markt anbieten und eine Zusatzeinnahme erwirtschaften will, muss ähnlichen Bedingungen erfüllen wie Großkraftwerke.

Geht die Anlage dann endlich ans Netz, muss zuweilen gar der Netzmeister vor Ort sein, was zu weiteren Verzögerungen führt. Und immer häufiger wird der Bau einer PV-Anlage vom Verteilnetzbetreiber sogar abgelehnt, weil er Netzengpässe befürchtet. Auch eine Wallbox kann aus diesem Grund versagt werden. Betroffene Haushalte werden so komplett vom Prosumer-Markt ausgeschlossen.

III. Unser Standpunkt

Prosumer dürfen nicht länger als „Störfall“ der Stromversorgung behandelt werden. Sie haben ein Recht auf diskriminierungsfreien Zugang und übernehmen eine wichtige Rolle für die klimaneutrale Energieversorgung.

Um den Prosumer-Markt anzukurbeln, müssen die technischen und rechtlichen Stellschrauben neu eingestellt sowie bürokratische Hürden abgebaut werden. Konkret können folgende Maßnahmen wirksam dazu beitragen:

  • Digitalisierung und einheitliche Bedingungen: Dicke Papierformulare sollten umgehend einem digitalen One-Stop-Shop für sämtliche Anmeldeprozeduren weichen. Außerdem gilt es, die technischen Anschlussbedingungen bundesweit zu vereinheitlichen.

  • Verbindliche Fristen: Anstelle langer Wartezeiten sollten Prosumer das Recht auf Zulassung und Netzanschluss der Anlage binnen vier Wochen erhalten.

  • Einheitliche Messkonzepte: Bisher müssen Messkonzepte von jedem der 900 Netzbetreiber einzeln genehmigt werden. Auch hier braucht es einen bundesweiten Standard, der für alle gilt.

  • Marktzugang: Heimspeicher, Wärmepumpen und E-Autos müssen einfach an Märkten teilnehmen und so ihren Beitrag für eine sichere und klimaneutrale Versorgung leisten können.

  • Clearingstelle: Analog zur EEG-Clearingstelle bedarf es auch rund um die Probleme von angehenden Prosumern bei Konflikten mit Netzbetreiber und anderen Akteuren sowie zur Entrümpelung des technischen Wildwuchses eines neutralen Ansprechpartners.

  • Netz-Cluster: Der Betrieb der 900 Netzgebiete sollte bundesweit in 20 regionalen Netzclustern zusammengeführt werden. Das wäre effizienter und kostengünstiger, Stromkund*innen könnten um einige Milliarden entlastet werden. Außerdem erleichtert dies die Umsetzung bundesweit einheitlicher und digitalisierter Verfahren für die Anmeldung und den Netzanschluss.

Ralf Schmidt-Pleschka
Pressekontakt

Ralf Schmidt-Pleschka

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