Politik

LichtBlick Aktuell: Stromnetze – Betrieb reformieren, Kostenanstieg bremsen

06.11.2020

I. Darum geht‘s

Die Netzentgelte steigen im Bundesdurchschnitt zum kommenden Jahr um 1,1 Prozent. Im Vergleich mit den Vorjahren ist dies moderat. Insgesamt mussten die Stromkunden seit 2017 einen Anstieg um 10 Prozent hinnehmen. Längst sind die Netzkosten zum größten Posten auf der Stromrechnung geworden.

Das Stromnetz ist ein „natürliches Monopol“ und wird als solches von staatlichen Stellen – allen voran den Netzagenturen von Bund und Ländern – reguliert. Es gibt eine Obergrenze für die Netzerlöse und einen Benchmark für die Betriebskosten. Und dennoch: Laut Agora-Energiewende sind die Netzentgelte in ihrer aktuellen Ausgestaltung "ein Blindflug durch das Entgeltsystem“. Netzkosten und Netzentgeltstruktur seien so intransparent, „dass es de facto unmöglich ist, Netzausbau und Netzkosten effizient zu regulieren.“

Werden die Verbraucher von den Netzbetreibern also abgezockt? Die Frage stellt sich. Wir haben dazu im Folgenden einige Fakten zusammengestellt.

Flickenteppich Stromnetz

II. Die wichtigsten Fakten

Das Stromnetz in Deutschland wies im Jahr 2017 eine Länge von 1,85 Mio. Kilometer (km) auf. Davon entfallen 1,2 Mio. km (65 %) auf die Niederspannungsebene, gut 500.000 km (28 %) auf die Mittel-, und 120.000 km (7 %) auf die Höchstspannungsebene. Instandhaltung, Ausbau, Modernisierung und Betrieb der Netze verschlingen pro Jahr 24 Mrd. Euro.

Flickenteppich Stromnetz

Deutschland leistet sich einen Flickenteppich aus rund 880 Netzbetreibern. 70 Prozent von ihnen versorgen nicht einmal 30.000 Kunden. Sie müssen dennoch die vollständige personelle und technische Infrastruktur für den Betrieb und den Ausbau ihrer Mini-Netze bereithalten. Das treibt die Kosten in die Höhe und bremst zudem die Digitalisierung der Netze. Denn standardisierte Lösungen sind in diesem Wirrwarr die absolute Ausnahme.

Netzentgelte sind stark gestiegen

Im Zeitraum 2017 bis 2021 sind die Netzentgelte um durchschnittlich 10 Prozent gestiegen, mancherorts um 30 Prozent und mehr. Der Anstieg wird meist pauschal mit den Kosten für die Energiewende begründet. Ob das stimmt, ist letztlich nicht nachprüfbar, denn die Netzbetreiber haben per Gericht durchgesetzt, dass sie die Grundlagen für die Kalkulation der Netzkosten den Kunden vorenthalten dürfen. Die Veröffentlichungen der Bundesnetzagentur sind entsprechend seitenweise geschwärzt.

Kosten ungerecht verteilt

Alle Verbraucher müssen die Netzentgelte bezahlen, jedoch nicht alle gleichermaßen. Betriebe, die zum Beispiel viel Strom entnehmen, wenn andere wenig verbrauchen („atypische Verbraucher“) erhalten ebenso Rabatte wie Unternehmen, die mindestens 7.000 Stunden im Jahr Strom aus dem Netz ziehen. Das führt zu Mitnahmeeffekten zu Lasten von Haushaltskunden. Industriekunden zahlen de facto zwei Drittel weniger für die Netznutzung als Privathaushalte. Bereits 2015 hat die Bundesnetzagentur die Änderung der Ausnahme-regeln angemahnt. Bis heute ist jedoch nichts passiert.

Diagramm Netzkosten

III. Unser Standpunkt

Die Bundesregierung hat es versäumt, für Transparenz und einen effizienten Netzbetrieb zu sorgen. Es wird nun einer der drängendsten Baustellen der nächsten Wahlperiode. Dabei sind folgende Handlungsfelder vordringlich:

  • Masterplan Netzentwicklung: Ziel muss es sein, aus dem Flickenteppich maximal 25 regionale Netz-Clustern zu machen. Das würde einen effizienten, kostengünstigen Betrieb sowie die Modernisierung der Netze erleichtern.

  • Die Netzentgelte müssen neu ausgerichtet, die Kosten fair verteilt werden. Flexibles, netzdienliches Verhalten sollte belohnt werden. Das muss für alle gelten – vom Privathaushalt mit PV-Anlage und Elektromobil bis hin zum Großbetrieb.

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Ralf Schmidt-Pleschka
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