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Darum gehören kompostierbare Plastiktüten nicht in den Biomüll

Wenn die kompostierbare Plastiktüte als „bio“ deklariert ist, ist es doch auch sinnvoll, sie mit Bioabfällen zu füllen und in der Biotonne zu entsorgen – oder? Die Schlussfolgerung klingt logisch, ist aber falsch. Warum das so ist, erfahrt ihr hier.

Zwei Arten von Biokunststoff

Vorweg: Wenn ein Kunststoff als „bio“ bezeichnet wird, kann das zwei unterschiedliche Bedeutungen haben. Entweder ist er aus nachwachsenden Rohstoffen auf Stärkebasis aus Mais oder Kartoffeln hergestellt oder aber er ist biologisch abbaubar.

Wie ihr herausfindet, um welche Art Kunststoff es sich bei eurer Bioplastiktüte handelt? Achtet beim Kauf auf die Bezeichnung auf der Verpackung, denn nur am Material könnt ihr den Unterschied nicht ausmachen.

Doch selbst, wenn ihr dort das Label „biologisch abbaubar“ entdeckt, gehören die kompostierbaren Plastiktüten dennoch nicht in den Biomüll!

Biologisch abbaubares Plastik ist eine Mogelpackung

Genau genommen sind Biomülltüten aus Plastik eine Mogelpackung. Denn trotz des Etiketts „biologisch abbaubar“ zerfallen kompostierbare Plastiktüten nur unter den definierten Bedingungen von industriellen Kompostierungsanlagen.

Auf euren eigenen Kompost solltet ihr die Beutel deshalb auf keinen Fall werfen. Denn dort herrschen ganz andere Temperatur- und Zersetzungsbedingungen als in einem Kompostierwerk, sprich: Die Tüten werden weitaus langsamer abgebaut.

Kompostierbare Plastiktüten zersetzen sich zu langsam

  • Doch selbst in einer professionellen Kompostierungsanlage sind die Bioplastiktüten nicht gut aufgehoben. Die Gründe:
    Biokunststoffe werden nach der Zersetzung nicht etwa zu wertvollem Humus, sondern lediglich zu Wasser und Kohlenstoffdioxid (CO2).
  • Weil die Mitarbeiter in der Anlage nicht auf Anhieb erkennen können, ob es sich um herkömmliches oder Bioplastik handelt, werden die Beutel ohnehin oft vorsorglich aussortiert.
  • In hochmodernen industriellen Kompostierwerken müssen die Bioabfälle in rund vier bis fünf Wochen zersetzt und verkaufsfertig sein. Die kompostierbaren Plastiktüten zerfallen jedoch nicht so schnell.

Warum sich diese Mülltüten trotzdem „biologisch abbaubar“ nennen dürfen? Weil sie der Industrienorm EN 13432 entsprechen. Die besagt, dass Bioplastik kompostierbar ist, wenn es sich innerhalb von 90 Tagen zu 90 Prozent in Teilchen zersetzt hat, die kleiner als zwei Millimeter sind. Allerdings ist diese Norm veraltet, da viele Kompostieranlagen die üblichen Bioabfälle heute deutlich schneller umwandeln.

Besser: Biomüll sammeln oder Mülltüten aus Papier

Biomüll neben Messer und Schneidebrett
Wohin mit dem Bioabfällen nach dem Kochen? Eine kompostierbare Plastiktüte ist dafür jedenfalls nicht geeignet. # © MementoImage/iStock

Kompostierbare Plastiktüten sind also kein Fall für den Biomüll! Besser ist es, wenn ihr die Beutel im Restmüll entsorgt. Bei der Verbrennung lässt sich immerhin noch Energie aus ihnen gewinnen.

Was eure Bioabfälle betrifft: Statt Kunststofftüten zu verwenden, sammelt und entsorgt ihr sie nachhaltiger in wachsbeschichteten Mülltüten aus Recyclingpapier. Oder aber – und das ist noch besser – ihr sammelt den Biomüll in einer Schale oder einem Eimer und entleer den Behälter regelmäßig direkt über der Biotonne.

Ein Stückchen Zeitung am Boden hilft, Eimer oder Schale sauber zu halten, sodass diese gelegentlich nur grob gereinigt werden müssen. Ressourcenschonender (und günstiger) lassen sich Bioabfälle nicht entsorgen!

Biomüll? Kommt nicht in die (Plastik-)Tüte!

  • Es gibt zwei Arten Bioplastik: solches aus nachwachsenden Rohstoffen und biologisch abbaubares.
  • Kompostierbare Plastiktüten werden weder in industriellen Kompostierungsanlagen noch auf dem Komposthaufen im Garten schnell genug zersetzt.
  • Bioabfälle sammeln und direkt ohne Tüte in der Biotonne entsorgen schont die Ressourcen. 

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# Jens

Wir benutzen Mülltüten aus Maisstärke. Diese zersetzen sich schon in der Biomülltonne. Bei Temperaturen ab 37 setzt sich der Zersetzungsprozess in gang. Auch Nässe beschleunigt die Zersetzung.

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