31. Oktober 2019

Landkäufe mit Hindernissen

DECOIN-Direktor Carlos Zorrilla fasst hier Neuigkeiten aus der Projektregion Intag und zur aktuellen Lage in Ecuador zusammen:

In diesem Jahr fanden in unserem Kanton Wahlen statt, die es DECOIN nicht leichter gemacht haben, Waldkäufe zur Erweiterung der bislang 40 Schutzwälder in Gemeindebesitz abzuwickeln. Durch die Wahlen haben in den Behörden des Kantons Cotacachi, zu dem die Region Intag gehört, und auch in den sechs Intag-Bezirken, die Amtsinhaber gewechselt. Mit der Wahl eines neuen Kantonspräsidenten wechselten in den Behörden auch unsere Ansprechpartner. Neue Mitarbeiter sind jetzt für die Abwicklung der Landkäufe zuständig, es gibt Änderungen in den bürokratischen Abläufen. Anfang Oktober erfasste dann eine riesige Protestwelle das Land. Ausgelöst wurden die Proteste durch die Streichung der staatlichen Subventionen für Treibstoffe, Kürzungen bei Gehältern von Staatsbedien-steten usw.. Selbst die internationalen Medien berichteten über den in Ecuador herrschenden Ausnahmezustand. Angeführt wurden die zwei Wochen andauernden Proteste von indigenen Volksgruppen. Straßenblockaden wurden errichtet; LKWs, Busse, Taxis fuhren nicht mehr; das Transportwesen kam völlig zum Erliegen. In Quito stürmten Demonstranten Regierungsgebäude und forderten den Rücktritt von Präsident Lenín Moreno. Bei gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Protestierenden und Polizei starben acht Menschen; darüber hinaus gab es mehr als tausend Verletzte und ebenso viele Verhaftungen[1]. Erst Vermittler der Vereinten Nationen machten eine Annäherung zwischen den Konfliktparteien möglich. Präsident Moreno nahm die Streichung der Subventionen zurück, sagte den Indigenen Mitsprache bei den Maßnahmen zu, die Ecuador helfen sollen, die andauernde wirtschaftliche Krise zu überwinden. Danach normalisierte sich das öffentliche Leben in Ecuador und Silvia Quilumbango konnte ihre Behördengänge wieder aufnehmen. Die Abwicklung der bereits eingeleiteten und vorgesehenen Landkäufe hat sich also verzögert. Dennoch werden wir die Schutzwälder in den kommenden Monaten um einige Hundert Hektar erweitern können.

[1] Laut Bericht der Staatsanwaltschaft vom 15.10.2019

Umweltbildungsprogramm feiert Erfolge

Umweltbindungsprogramm in der Projektregion Intag feiert Erfolge

“Conservation without education is just conversation”, sagt man auf Englisch - „Naturschutz ohne Bildung ist nur Konversation“. Ich bin mir nicht sicher, von wem dieses Sprichwort stammt, doch in ihm steckt eine Menge Wahrheit. Seit den Anfängen von DECOIN hat unsere Organisation so viel Geld und Zeit in Umweltbildung für Jung und Alt gesteckt wie unsere Unterstützer es uns ermöglicht haben. In diesem Jahr bedeutet das, dass wir dank der Unterstützung des LichtBlick-Projekts, 521 Kinder im Alter zwischen sechs und zwölf Jahren in sechs Intag-Gemeinden zu Umweltthemen unterrichten können. Die Themen „Wasser“, „Artenvielfalt“ und „Klimawandel“ gehören zu den Hauptthemen des Unterrichts. Im Rahmen einer weiteren Lehreinheit an den Schulen lernen die Kinder das Spiel „El Gallito de la Peña“ kennen. Der Name des Spiels bezieht sich auf eine spektakuläre Vogelart, den Andenklippenvogel, der in den Wäldern von Intag beheimatet ist. DECOIN-Präsidentin Silvia Quilumbango und frühere Mitarbeiter der Behörde in Cotacachi haben es entwickelt, um den Kindern spielerisch Werte zum Schutz von Natur und Umwelt zu vermitteln. Es wird ganz ähnlich wie „Monopoly“ gespielt und ist ein Riesenerfolg – bei den Kindern genauso wie bei ihren Lehrern. Teil unseres Programms sind auch Exkursionen in ein Gemeinde-Wasserschutzgebiet, bei denen auch Eltern eingeladen sind, ihre Kinder zu begleiten. Diese Feldexkursionen sind von großer Bedeutung, denn sie bieten Schülern und Eltern die Möglichkeit, die Schönheit unserer Wälder, der Tier- und Pflanzenarten zu sehen und zu spüren. In diesem Jahr bereichern zudem „Wassertest-Kits“ das Programm auf den Ausflügen. Diese Schnelltests helfen Schülern, Lehrern und Eltern sich über die Bedeutung der Wasserqualität bewusst zu werden; mit ihnen können sie zumindest einige der Qualitätsmerkmale von Fluss- oder Trinkwasser selbst bestimmen. Dabei lernen die Exkursionsteilnehmer, welche Faktoren und Verhaltensweisen die Qualität des Wassers beeinträchtigen und wie dessen Verunreinigung verhindert werden kann.

Unsere Autorin


Anke Blacha
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