09. Juli 2019

Neue Bergbauvorhaben und der wachsende Widerstand

Seit 15 Jahren schützen wir Regenwaldflächen in Ecuador – pro Kunde und Monat stellen wir einen Quadratmeter Regenwald unter Schutz. Regelmäßig berichtet Carlos Zorrilla von DECOIN, unserem Partner vor Ort, über Aktuelles aus der Intag-Region. Diesmal berichtet Carlos Zorrilla, wie gelockerte Bergbaubestimmungen den Umwelt- und Regenwaldschutz gefährden könnten und wie sich gleichzeitig Widerstand formiert.

 

Einladung zum Bergbau?

Wer von den aufgelockerten, einladenden Bergbaubestimmungen der ecuadorianischen Regierung erfährt, könnte auf der Stelle dazu verführt werden, in Bergbau zu investieren. Der Drang zu investieren würde sich verdoppeln, wenn man den Falschinformationen Glauben schenkt, die fast täglich auf den Webseiten vieler transnationaler Unternehmen zu lesen ist: Da ist die Rede von unvorstellbaren Erzvorkommen, die unter den Wäldern Ecuadors lagern und nur darauf warten, ausgebeutet zu werden. Bei genauerem Hinsehen kommt allerdings eine ganz andere Wahrheit zutage, von der die Regierung und Bergbauunternehmen nicht möchten, das sie bekannt wird.

 

Der neue Widerspruch im Bergbau

Die neuen Bestimmungen sollen dem Bergbau in Ecuador Tür und Tor öffnen. Sie lassen sich in der Aussage von Vize-Präsident Sonnenholzner zusammenfassen, der im Mai 2019 kundtat: “wo auch immer Erze lagern, werden sie geschürft“. Die Regierung schließt also eine Zukunft basierend auf nachhaltigen Wirtschaftsaktivitäten wie Ökotourismus ebenso aus wie den Erhalt der einmaligen und überbordenden Artenvielfalt und saubere Flüsse. Die logische Weiterführung des Gedankens: Künftig wird Bergbau selbst vor Naturschutzgebieten nicht halten machen, und auch nicht vor Verletzungen der Menschenrechte.

Fazit: die neue Politik sucht den schnellsten Weg, um die Wirtschaft weg von Nachhaltigkeit und noch näher hin zum Extraktivismus zu bringen, der für Ecuador bislang Korruption im großen Maßstab, immense Staatsausgaben und Schulden sowie kaputte Naturlandschaften zur Folge hat. Und all das in einer Klimakrise, die das Überleben auf der Erde bedroht. Diese extreme, unredliche Position ist in Zusammenhang mit der schweren Finanzkrise im Land zu sehen und dem Druck, die riesigen Außenschulden zu begleichen. Die dadurch entstehenden Folgen jedoch sind unverzeihlich und die Entwicklung Ecuadors wird auf ewig darunter leiden.

 

Der Widerstand in den Gemeinden und Organisationen wächst

Protest-Plakat der Intag-Bewohner gegen Bergbau
Die Intag-Bewohner machen deutlich, dass sie keinen
Bergbau wollen – bislang erfolgreich, Foto: Carlos Zorrilla

Die Vorfreude bei Regierung und Unternehmen die Bodenschätze von Ecuador zu explorieren und auszubeuten wird längst nicht von allen geteilt. Die Haltung von Gemeinden, indigenen Gruppen, Umweltschutz- und Menschenrechtsorganisationen ist exakt gegenläufig zur Regierungsposition. Gemeinden und bedrohten Gruppen reagieren auf diese lächerliche und gefährliche Bergbaupolitik mit immer stärkerem Widerstand.  Zum Beispiel mit Straßenblockaden, um Regierungsvertretern und Bergbauunternehmen davon abzuhalten die Gebiete der Bergbaukonzessionen zu erreichen. Wichtig ist hierbei zu wissen, dass indigene Gruppen und private Waldbesitzer in jüngster Zeit durch Gerichte hinsichtlich der Verletzung ihrer Rechte gestützt worden sind.

  • In der Intag-Region haben beispielsweise mehrere Gemeinden die Regierung und den Bergbaukonzern CODELCO davon abgehalten, die Umweltverträglichkeitsuntersuchung zur Erweiterung des Llurimagua-Konzessionsgebiets abzuschließen.
  • Im Juni hat die Zivilbevölkerung ein Manifest dutzender Organisationen unterstützt und warnt so die Regierung, dass sie Bergbau – komme was wolle – im Intag verhindern will.
  • Das „Los Cedros“ Schutzgebiet hat gerade eine gerichtliche Verfügung gegen die Absicht eines kanadischen Unternehmens gewonnen, mit der Erzexploration in einem unberührten Nebelwaldgebiet zu beginnen, das nahe bei Llurimagua liegt.
  • Nördlich von Intag hat das indigene Volk der Cofán ein Gerichtsverfahren gewonnen, wodurch 32 Erzkonzessionen auf Gebiet der Cofán annulliert worden sind.

Die Intag-Bevölkerung hat eine Schlüsselrolle dabei, dass Gemeinden ihre verfassungsmäßigen Rechte durchsetzen wollen, in einer artenreichen, sauberen Umgebung zu leben, in einer Welt, wo „Entwicklung“ nicht einher geht mit Menschenrechtsverletzungen oder Umweltzerstörung. Mit genügend Unterstützung wird sie diese Rolle auch weiterhin ausfüllen.

 

Jeden Monat senden uns unsere Kooperationspartner von „Geo schützt den Regenwald e.V.“ einen aktuellen Bericht zur Lage in unserem gemeinsamen Regenwaldprojekt zu. Mehr zum LichtBlick Regenwald-Projekt finden Sie auf unserer Webseite.

 

Unsere Autorin


Anke Blacha
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