Regenwaldbericht
Dezember 2016
– Der Direktor unserer Partnerorganisation DECOIN, Carlos Zorrilla, berichtet über die einmalige Vielfalt im Regenwald:

Ein Wasserfall voller Überraschungen zurück

Mein Zuhause ist nur zehn Minuten zu Fuß von einem wunderschönen 20 Meter hohen Wasserfall entfernt. Fast jeden Tag mache ich einen Spaziergang dorthin, mit meinem Golden Retriever Monte, der sich auf die tägliche Abkühlung freut. Abgesehen von kurzen Unterbrechungen, gehören diese Spaziergänge seit 37 Jahren zu meiner täglichen Routine. Fast nie verlasse ich das Haus ohne Kamera und von allem, was ich entdecke, mache ich Bilder. Nun könnte man meinen, dass ich als routinierter Naturbeobachter nach fast vier Jahrzehnten nichts Neues mehr vorfinde. In einem anderen Ökosystem wäre das möglich. Aber nicht im Nebelwald von Intag, wo ich lebe und arbeite.
Vor ein paar Tagen sah ich an der Kaskade zum Beispiel eine Eidechse, die mir im Wald um mein Haus vorher nie begegnet war. Zwei Tage vorher habe ich eine neue Art von Laubheuschrecke fotografiert. Meiner Meinung nach ist sie der Wissenschaft bislang unbekannt. In diesem Jahr habe ich auch Lurche gesehen, die mir in früheren Jahren entgangen sind, und das gleiche gilt für Nachtfalter-Arten. Seit Jahren locke ich Nachtfalter mit einer Lichtfalle an, um sie zu fotografieren - und fast jede Nacht begegnet mir eine Art, die ich zum allerersten Mal sehe. Diese ungewöhnliche Artenvielfalt beruht auf der Lage von Ecuador in den Tropen, auf den riesigen Höhenunterschieden und verschiedenen Niederschlagsmustern im Land. Ecuador ist so interessant, dass jeder einzelne Spaziergang durch den Wald aufs Neue Freude macht!

Spitze in Artenvielfalt und -Gefährdung

Aus den genannten Gründen gehört Ecuador zu den 17 „mega-vielfältigen“ Ländern der Erde. Beispielsweise gibt es hier mehr Orchideen- und Kolibri-Arten als selbst in Brasilien - das 32 Mal größer ist. Doch in der Andennation Ecuador sind auch mehr Pflanzen- und Tierarten gefährdet als in jedem anderen Land der Erde: Laut der neuesten Statistik sind 2.306 Arten sogar vom Aussterben bedroht – mehr als in Brasilien, Mexiko und den USA. Dafür verantwortlich sind vor allem Abholzung und Erosion. Die Tatsache, dass die ecuadorianischen Ökosysteme in den Tropen zu denen gehören, die am besten untersucht worden sind, macht es natürlich leichter, Verluste von Arten zu dokumentieren.

Zu den bedrohten Tieren zählen alleine 174 Arten von Amphibien, Froschlurchen. Und das bringt mich zu einer Kröte, die im März 2016 wiederentdeckt worden ist. 

Der Langnasen-Stummelfuß lebt!

Bis die Daten auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN aktualisiert werden, gilt die Langnasen-Stummelfuß-Kröte (lateinischer Artname: Atelopus longirostris) als ausgestorben. Das liegt daran, dass sie zuletzt im Jahr 1989 gesichtet worden war. Der Name ist schon merkwürdig für eine Kröte. Das Tier ist nur 35 Millimeter lang von der „Nasenspitze“ bis zum Hinterteil. Doch als man es nach 27 Jahren erstmals wieder zu Gesicht bekam, war das eine großartige Nachricht für die Biologen, die mit dem Artensterben der Amphibien befasst sind. Besonders, weil dies weltweit der einzige Ort ist, wo diese Krötenart gesichtet worden ist.

Die Langnasen-Stummelfuß-Kröte hat ein Experte entdeckt, den DECOIN angeheuert hatte, um einen Artenkatalog für das Waldschutzgebiet der Gemeinde Junín zu erstellen. Dieser Wald – den DECOIN 1998 gekauft und als Gemeindewald unter Schutz gestellt hat – ist durch ein großes Kupferbergbau-Vorhaben in seinem Erhalt gefährdet.

Danke an alle LichtBlicker

Der Fund unterstreicht die Bedeutung von Waldschutz in diesem Hotspot der Artenvielfalt, zu dem die Intag-Region gehört – und die Unterstützung durch LichtBlick, im Intag so viel Wald und Tier- und Pflanzenarten zu erhalten wie irgend möglich.

Sie, die LichtBlick-Kunden, helfen mit, den kostbaren Nebelwald zu erhalten. Während ich diesen Bericht schreibe, ist das Team von DECOIN damit befasst, die Dokumentation  für drei neue Waldschutzgebiete abzuschließen. Damit Arten wie der Langnasen-Stummelfuß und zahllose andere weiterhin eine Chance zum Überleben haben.

Herzlichen Dank für Ihr Engagement und alles Gute zum Jahreswechsel,

Carlos Zorrilla  

Materialien zu dieser Meldung
Regenwaldbericht_Dezember_Abschluss_2016 (PDF, 176 KB) Download