Regenwaldbericht
Dezember 2016
– Der Direktor unserer Partnerorganisation DECOIN, Carlos Zorrilla, berichtet über die Frauenkooperative der kleinen Intag-Gemeinde El Rosal

Erfolgreiche Kleinunternehmerinnen zurück

Seit einigen Jahren hat LichtBlick an Weihnachten jeweils Vorhaben von Organisationen der Intag-Region mit einer speziellen Spende bedacht. Die Weihnachtsspende 2015 wurde geteilt zwischen zwei Organisationen, die beide im Intag-Tal wichtige Arbeit leisten, zwischen der Casa Palabra y Pueblo – wir hatten darüber bereits berichtet – und der Frauengruppe von El Rosal. Die Entscheidungsfindung, welche Anschaffungen mit der Spende finanziert werden sollen, hat einige Zeit in Anspruch genommen, doch seit einigen Monaten ist die neue Ausrüstung in Betrieb.

In Intag – wie in praktisch allen ländlichen Gebieten von Entwicklungsländern – haben es Frauen besonders schwer, eine bezahlte Arbeit zu finden. 2004 kamen einige Frauen der kleinen Ortschaft El Rosal auf die Idee, ihre Familien durch den Verkauf handgemachter Seifenstücke, Cremes und Shampoos zu unterstützen. Der Name, unter dem die Kooperative heute registriert ist, lautet übersetzt „Handwerkliche Vereinigung der Landfrauen von El Rosal“. Laut Gründungsmitglied Carmen Ruiz sind sechs Frauen ständig mit von der Partie. Wenn viel zu tun ist, sind es sogar zehn. Ihrer Produktreihe gaben sie den Namen “Naturaloe”. Die namensgebende Aloe Vera-Pflanze wächst in den Gärten der Gemeinde, gleich vor der Haustür. Die Produkte werden selbst in Übersee, in den USA und in Spanien geschätzt, doch der Großteil der Produktion wird in Ecuador vermarktet.

Produkte für den Fair Trade-Markt

Die Großabnehmer sind allesamt Fair Trade-Organisationen, so in Spanien „Xarxa Consum Solidari“, die die Produkte von El Rosal in ganz Katalonien verkauft; der „Kassenschlager“ ist dort das Aloe Vera-Seifenstück. Zuhause in Ecuador hat die Vereinigung El Rosal dutzende Abnehmer, darunter die “Casa de Intag” in Otavalo, die speziell Handgefertigtes aus dem Intag verkauft und FEPP in Quito. Riesentöpfe bringen große Erleichterung.

Spende ist gut angelegt

Die Frauen investierten die Spendensumme in zwei 115 Liter-Stahltöpfe, die sie dringend benötigen, um ihre Produktion an Seife zu erhöhen. Die durch die LichtBlick-Spende ermöglichten Anschaffungen erleichtern die Arbeit der Frauen deutlich – bei jeder Seifenproduktion macht sie sich aufs Neue bezahlt. Denn die Kleinunternehmerinnen können in den Riesentöpfen viel mehr Seife auf einmal kochen, können größere Bestellungen viel schneller abarbeiten als bisher. Die stählernen Töpfe sind zudem viel leichter zu reinigen. Und auch über einen ganz anderen Aspekt freuen sich die Nutzerinnen: Als sie die Seife mit den alten Aluminium-Töpfen kochten, füllte fast unerträglicher Rauch den Raum – das ist jetzt zum Glück vorbei.

Vorbild für die Jugend

Die Frauen sehen in ihrer Arbeit und der Kooperative ein konkretes Angebot für die junge Generation in der Gemeinde, denn viele verlassen die Gemeinde nach Abschluss der Schule, in der Hoffnung einen besser bezahlten Job in der Stadt zu finden. Natürlich stärken die Mitglieder der Kooperative mit ihren Aktivitäten auch die finanzielle Situation der Familien. Und sie spüren, dass sie durch ihr selbst erwirtschaftetes Einkommen eine bessere Kontrolle über ihr Leben haben – unabhängiger sind von den Launen ihrer Ehemänner.

Pläne, Wünsche und Träume

Natürlich würden sie sich über wirtschaftlichen wachsenden Erfolg ihrer Produkte freuen. Doch in erster Linie wünschen sie sich, dass die Intag-Region dauerhaft von Bergbau verschont bleibt. Sie haben Pläne, ein kleines Orchidarium in ihrer Gemeinde zu errichten, um mehr Touristen in ihre Gemeinde zu locken. Sie spielen auch mit dem Gedanken, einen Laden oder Café in der Bezirksstadt García Moreno zu eröffnen, um dort die eigenen Produkte und die anderer Organisationen der Region anzubieten. Und sie möchten alleinerziehende Mütter einstellen, um deren Leben zu erleichtern.

Freiwillige willkommen

El Rosal bietet Freiwilligen aus aller Welt die Möglichkeit, den Alltag in ihren Familien mitzuerleben, bei ihrer Arbeit mitzuwirken. Etliche Freiwillige hatten bereits das Glück, Zeit mit den Frauen und ihren Angehörigen zu verbringen, sie bei der Herstellung von Seife und anderen Produkten zu unterstützen. Viele der Freiwilligen kommen aus Deutschland. Es ist ein Gewinn für beide Seiten. Und es spiegelt ihre Lebensphilosophie der Frauen von El Rosal wider.

Materialien zu dieser Meldung
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