Regenwaldbericht
November 2016
– Der Direktor unserer Partnerorganisation DECOIN, Carlos Zorrilla, berichtet über die aktuellen Herausforderungen und Erfolge beim Waldschutz

Schutzwald wächst weiter zurück

In den vergangenen neun Monaten gab es reichlich Frustration und harte Arbeit, aber auch Triumpfe für den Naturschutz in der Intag-Region. Dank der Kooperation mit LichtBlick und “GEO schützt den Regenwald” konnte DECOIN allen bürokratischen Hürden zum Trotz zwei weitere Waldkäufe für Gemeindeschutzgebiete abwickeln. Seit Beginn des LichtBlick-Projekts im Jahr 2005 konnten bislang rund 6.500 Hektar als Gemeindewald dauerhaft unter Schutz gestellt werden – Wald, der zu den artenreichsten und am meisten bedrohten der tropischen Welt gehört und der nun durch Gemeinden und lokale Regierungen geschützt wird.

Privileg der Intag-Bewohner

Wirklich bemerkenswert ist, dass dank Lichtblick, “GEO schützt den Regenwald” und Partnern aus anderen Projekten die Intag-Bewohner pro Kopf über mehr geschützte Waldfläche verfügen als die irgendeiner anderen Region, die mir bekannt ist. Insgesamt schützen 47 Gemeinden und Lokalregierungen fast 13.000 Hektar Wald und Wassereinzugsgebiete in Intag. Für bedrohte Tier- und Pflanzenarten ist dieser Schutz des Lebensraumes von allergrößter Bedeutung. Die Gemeindemitglieder selbst profitieren durch die Versorgung mit sauberem, kostenlosem Trinkwasser sowie durch Gebiete, die einerseits für Ökotourismusaktivitäten genutzt werden können und andererseits eine natürliche Samenbank für heimische Arten darstellen.

Landkäufe mit Hürden

Für die im LichtBlick-Projekt verhandelten und gekauften Regenwaldflächen mussten 44 separate Landkaufprozesse abgewickelt werden. Diese Prozesse sind mit den Jahren immer komplizierter und langwieriger geworden. Während früher bei Kauf und Legalisierung der Flächen nur ein oder zwei Schritte durchlaufen werden mussten, sind es inzwischen neun bis zehn! Vieles hängt davon ab, ob die in der Urkunde des Verkäufers genannte Flächengröße der tatsächlichen Größe des Waldgebiets entspricht. Doch in Intag gibt es zwischen den beurkundeten und den realen Flächengrößen so gut wie immer Diskrepanzen! Zudem muss unser Team häufig Grenzkonflikte zwischen Nachbarn lösen und sicherstellen, dass die Verkaufsurkunde zu 100 Prozent legitim ist, bevor dann der lange Legalisierungsprozess begonnen wird, der Monate in Anspruch nehmen kann.

Wichtige Umweltbildung

Doch nicht nur Waldkäufe werden durch das Projekt finanziert. Seit Beginn unserer Arbeit haben wir Naturschutz ohne Umweltbildung für eine Verschwendung von Zeit, Energie und Geld gehalten. Die Menschen müssen die Gründe kennen, weshalb das Land unter Schutz gestellt werden muss. Auch in diesem Jahr unterstützt LichtBlick unsere Bildungsaktivitäten. Diesmal fördert das Projekt Aktivitäten in der Oberstufe: Die Schüler machen Feldbesuche in Schutzwälder, sie lernen und diskutieren über die biologische Bedeutung des großartigen Nebelwaldes in der Region und die Bedrohungen, denen er ausgesetzt ist. Außerdem haben wir in Sendezeit bei dem lokalen Sender „Radio Intag“ investiert und nutzen diese, um die Bewohner über verschiedene kritische Themen zu informieren. In diesen Radiobeiträgen geht es etwa darum, die Folgen von Bergbau zu schildern oder vor der schädlichen Praxis des Abbrennens von Feldern zu warnen. Einer der Erfolge ist, dass Bauern in diesem Jahr deutlich weniger Flächen abgebrannt haben als in früheren Jahren.

Materialien zu dieser Meldung
Regenwaldbericht_November_2016 (PDF, 141 KB) Download