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Des Papiers neue Kleider: Das passiert beim Recycling

Im Papier-Recycling sind die Deutschen Profis. Laut der Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung lag die Verwertungsquote im Jahr 2016 bei beachtlichen 99,8 Prozent. Dennoch wissen vermutlich nur wenige, was genau beim Recyclingprozess mit Papier und Pappe passiert. Hier erfahrt ihr es!

Wie geht Papier-Recyling?

Papier ist kein Müll, sondern eine wertvolle Ressource, die sich wiederverwerten lässt. Um neues Papier aus alten Kartons, Zeitungen, Magazinen und Co. zu gewinnen, sind mehrere Aufbereitungsverfahren notwendig. 

Das mag aufwendig klingen, doch die ökologische Bilanz spricht eindeutig für den Recyclingprozess. Denn insgesamt ist es einfacher und ressourcenschonender, den Papierrohstoff Zellulose aus Altpapier zu gewinnen als aus Holz. Für die Herstellung werden weniger Chemikalien, weniger Energie und weniger Wasser benötigt.

Laut Umweltbundesamt verschlingt die Produktion von einem Kilogramm Frischfaserpapier 50 Liter Wasser und fünf Kilowattstunden Strom. Zum Vergleich: Für ein Kilogramm Recyclingpapier werden bloß 15 Liter Wasser und zwei Kilowattstunden Strom benötigt.

Arbeiter sortieren Altpapier beim Papier-Recycling
Bevor aus alten Magazinen und Prospekten durch Recycling neues Papier entstehen kann, muss es sortiert werden.#© vm/iStock

Sortieren, schreddern, säubern

Nachdem das Altpapier aus den Containern und Blauen Tonnen abgeholt und zum Recyclingwerk gebracht wurde, beginnt der Aufbereitungsprozess.

  • Zuerst wird das Altpapier erfasst und genau sortiert, zum Beispiel nach Farben. Laut dem Verband Deutscher Papierfabriken gibt es rund 3.000 Papiersorten, die in 65 Arten von Altpapier unterteilt werden.
  • Anschließend filtern große Siebe Fremdkörper wie Büro- und Heftklammern, Plastikteilchen und Co. heraus.
  • Das Papier wird danach maschinell zerkleinert und in Wasser eingeweicht, um es in seine Fasern aufzulösen.
  • Daraufhin werden weitere Fremdstoffe herausgewaschen.
  • Bei hellen Papieren kommt nun das sogenannte Deinking-Verfahren zum Einsatz: Unter anderem Natronlauge und Tenside lösen die Druckfarben aus dem Papier, die zusammen mit dem Schaum abgetragen werden.
  • Im Anschluss erfolgt bei hellen Papieren ein Bleichvorgang mit Sauerstoff oder Wasserstoffperoxid.
  • Die Masse wird mit weiteren Füll- und Zusatzstoffen, unter anderem auch frischen Fasern, angereichert.
  • Zuletzt wird der Papierbrei mit Walzen glatt gepresst, getrocknet und zu neuem Papier aufgerollt.

Doch auch das Recycling von Altpapier ist endlich, weil Papierfasern mit jeder Wiederverwertung kürzer werden. Das führt dazu, dass der Anteil an Zusatzstoffen und frischen Fasern mit jedem Mal etwas erhöht werden muss, vor allem wenn gut bedruckbares Recyclingpapier entstehen soll. Dafür eignen sich zum Beispiel Hackschnitzel aus Sägewerken oder auch Porzellanerde.

Noch besser als Recycling: Papier sparen

Auch wenn Recyclingpapier im Vergleich zu Frischfaserpapier die nachhaltigere Lösung ist, gibt es noch eine bessere Alternative. Und die heißt: sparsam mit Papier umzugehen. Denn so vorbildlich Deutschland beim Papier-Recycling auch ist – beim Verbrauch besteht definitiv noch Verbesserungsbedarf.

Denn laut WWF verbraucht Deutschland so viel Papier wie die Kontinente Afrika und Südamerika zusammen. Und obwohl die Digitalisierung voranschreitet, steigt der jährliche Pro-Kopf-Verbrauch hierzulande kontinuierlich. Circa 250 Kilogramm sind es im Durchschnitt, was einen Verbrauch von rund 685 Gramm pro Tag ergibt, das sind etwa 137 Seiten DIN-A4-Papier. Zum Vergleich: Der weltweite Durchschnitt liegt bei nur 57 Kilogramm – bloß China, die USA und Japan liegen beim Verbrauch noch vor Deutschland.

Papier-Recycling: Ein aufwendiger, aber sinnvoller Prozess

  • Papier-Recycling verbraucht weniger Energie, Wasser und Chemikalien als die Produktion von reinem Frischfaserpapier.
  • Der Aufbereitungsprozess umfasst mehrere Stufen.
  • Papierfasern überleben fünf bis sechs Recyclingvorgänge.
  • Besser als Papier-Recycling ist immer noch der sparsame Verbrauch.

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