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LichtBlick: Von der Anti-Atomkraft-Bewegung zu Fridays for Future

Gemeinsam für das Klima, gemeinsam für die Zukunft: Am 20. September, 12 Uhr, gehen die Fridays For Future (FFF) und alle Menschen, die die Bewegung unterstützen, weltweit auf die Straße. Auch viele LichtBlicker unterbrechen an diesem Tag ihre Arbeit, um sich beim Generalstreik zu engagieren – mit Einverständnis ihres Arbeitgebers. Geschäftsführer Gero Lücking erklärt, warum er die FFF-Bewegung für so wichtig hält und was sie mit LichtBlick verbindet.

von Kristina

Von Greta Thunberg tief beeindruckt

Von seinem Büro aus hat LichtBlick-Geschäftsführer Gero einen beeindruckenden Panoramablick über den Hamburger Hafen. Doch schwärmerische Gefühle löst der bei ihm nicht aus. Im Gegenteil. „Hier, das Kreuzfahrtschiff ist gestern angekommen, dahinter guckst du direkt aufs Kohlekraftwerk Moorburg“, weist er auf zwei der größten CO2-Schleudern im Hafen hin. „Immer den Feind im Blick“, setzt der 56-Jährige hinzu. Ein Schmunzeln huscht über sein Gesicht, doch ist es ihm ernst. Sehr ernst.

Gero Lücking © LichtBlick

„Wir müssen so schnell es geht weg von fossilen Energieträgern“, sagt er. „Deutschland betreibt europaweit die Kraftwerke mit den höchsten CO2-Emissionen – und wie fatal die fürs Klima sind, wissen ja mittlerweile die meisten.“ Dank der Fridays-for-Future-Bewegung (FFF) um Greta Thunberg sind Themen wie Klima und Nachhaltigkeit zurzeit gesellschaftlich präsent wie nie zuvor. Die schwedische Schülerin, die vor mehr als einem Jahr mit ihrem Streik begann und weltweit Millionen Mitstreiter gefunden hat, fasziniert Gero. „Unglaublich, wie eine einzelne Person diese große Bewegung initiiert hat.“

„Heute ist es das CO2, damals war es die Atomkraft“

Protestaktion am Kühlturm: Gero als zweiter von rechts #© Sabine Vielmo Greenpeace

Mit ihrer Klarheit und Dringlichkeit in Bezug auf Umweltfragen trifft Greta genau Geros Nerv. Er selbst engagiert sich seit Jahrzehnten für die Energiewende und war lange Zeit als Campaigner für Greenpeace aktiv. „Heute ist es das CO2, damals war es die Atomkraft“, sinniert er und öffnet einen Umschlag mit Fotos. Darauf zu sehen: Er und weitere Umweltaktivisten, die sich 1993 bei einer Protestaktion von einem Kühlturm des Atomkraftwerks Mühlheim-Kärlich abseilen. Diesen Kühlturm gibt es heute nicht mehr. Er wurde vor wenigen Wochen gesprengt. Gero hat sich das Video mehrfach im Netz angeschaut. „Wenn ich das Ding zusammenkrachen sehe, schwingt da schon eine gewisse Befriedigung mit“, sagt er.

Der Wunsch, die Dinge zu verbessern

Befriedigung und die Hoffnung, dass sich die Dinge doch zum Guten ändern können. Die war auch der Antrieb, aus dem Gero Ende der 1990er-Jahre gemeinsam mit weiteren Aktivisten aus der Anti-Atom-Bewegung die Öffnung des Strommarktes nutzte, um ein damals völlig neues Produkt zu entwickeln: Ökostrom. „Wir wollten damit den Menschen die Möglichkeit geben, ein Zeichen gegen Atomstrom zu setzen und sich von den entsprechenden Energieversorgern zu lösen“, berichtet er. „Zu den Monopolzeiten ging das ja nicht.“

Der Kampf für die Energiewende beinhaltete manch harte rechtliche Auseinandersetzung. Auch sonst war der Weg von der Idee bis zur Gründung des Ökoenergieunternehmens Pionierarbeit, die der Hamburger Investor Michael Saalfeld ermöglichte. Von der Beschaffung des grünen Stroms über die Bilanzierung bis hin zum Endkundenvertrag: Fragen, die heute längst keine mehr sind, mussten damals in einem kleinen Team gelöst werden. Am 1. Oktober 1999 schließlich startete LichtBlick damit, die ersten acht Kunden mit Ökostrom zu versorgen. „Das waren unser Anwalt, fünf Kolleginnen und Kollegen, ein Externer und ich“, erzählt Gero. Heute beziehen 630.000 Haushalte grüne LichtBlick-Energie.

Wie sind Wohlstand und Klimaziele vereinbar?

Natürlich freuen sich Gero und die anderen LichtBlicker über diesen Erfolg, doch in Sachen Umwelt geht der Kampf eindeutig weiter. „Das Problem ist dieses ständige Lavieren in der Klimafrage, dieses Zögern und Verschieben seitens der Politik – trotz eindeutiger Aussagen aus der Wissenschaft“, sagt er. „Unerträglich!“ Dabei gebe es so viele Möglichkeiten, etwas zu ändern: Etwa über eine CO2-Bepreisung oder den Subventionsabbau für klimaschädliche Technologien. „Warum werden klimaschädliche Technologien immer noch mit Milliardenbeträgen subventioniert“, fragt Gero. „Warum betreiben sie das Kraftwerk Moorburg mit Kohle aus Australien oder Südafrika? Das ist doch Irrsinn.“

Die zentrale Herausforderung – und zugleich eine Riesenchance – sei die Frage, wie unser Wohlstand mit den Klimazielen in Einklang zu bringen sei. Beispielsweise der Switch zu einer umweltfreundlicheren Mobilität. „Wenn man da immer nur den alten Rezepten hinterherrennt, wird das natürlich nichts.“

Öffentlicher Druck das stärkste Signal an die Verantwortlichen

Öffentlicher Druck und eine große Menge an Menschen, die für die Umwelt auf die Straße gehen, seien das stärkste Signal an die Verantwortlichen, etwas zu ändern, so Gero. Daher stellt es LichtBlick auch allen Beschäftigten frei, am großen FFF-Generalstreik am 20. September mitzuwirken.

LichtBlick - Protest Hambacher Wald
© LichtBlick

Die Teilnahme ist freiwillig, aber Gero rechnet mit einer großen Beteiligung der LichtBlicker, wie zuletzt auch bei der Demo für den Erhalt des Hambacher Waldes. „Ich freue mich über jeden, der beim Generalstreik dabei ist und bin gespannt, was die LichtBlicker auf die Beine stellen“, sagt der Geschäftsführer. Das Datum haben die Organisatoren des Generalstreiks übrigens bewusst gewählt: am 20. September tagt auch das Klimakabinett in Berlin. Die Demonstranten hoffen, dass ihr Streik einen Effekt auf etwaige Entscheidungen in wichtigen Klimafragen haben wird.

Denn die aktuelle Lage des Planeten erscheint aktuell dramatischer denn je. „Ich bin voller Sorge“, sagt Gero, „Aber wir können uns weiter engagieren. Und die Fridays zu unterstützen, ist etwas, das man tun kann und tun muss. Und dann werden wir sehen, was passiert.“

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# Uwe Kelm

Hallo Lichtblick, bin seit 15 Jahren Kunde bei Euch.
Möchte gern Werbung für Euch machen.
Bitte um Übersendung von Info flyern an meine Adresse:
Dr.U.Kelm, Alter Markt 7, 18439 Stralsund.
Danke

Antwort von Fränze

Hallo Uwe, vielen Dank für deine langjährige Kundentreue :) Deine Anfrage haben wir an unseren Kundenservice weitergeleitet. Wir schicken dir gerne Flyer und Broschüren zu. Viele Grüße aus deiner LichtBlick-Redaktion, Fränze

# Detlef Elbe

Erwärmen wird in Kalorien gemessen. Das Kohlenstoffdioxid ist nur ein Ergebnis der Verbrennung
Kalorien werden auch ohne Kohlenstoffdioxid erzeugt werden.
Wie der Kuehlungsbedarf der Atomkraftwerke bezeugt.
Auch andere Einfluesse dürfen nicht verschleiert werden. Wolken durch Staub., Methan und Stickoxide, Russ und Asche, Tierzucht und Herstellung von Akkus, Abproduktentsorgumg usw.
Leider wird auch der Wald vernichtet mit irreführenden Argumenten.
Sonnenenergie zur Dieselgewinnung usw.
Kalorien müssen beachtet werden!!!

Antwort von Fränze

Hallo Detlef, vielen Dank für deinen Kommentar. Beim Klimaschutz und der Eindämmung der weltweiten Erwärmung ist die Energieversorgung in der Tat nur ein Aspekt – wenn auch ein sehr wichtiger! Wir müssen die CO2 Emissionen in der Stromerzeugung, in der Wärmeversorgung und im Verkehr drastisch senken. Das geht nur wenn wir rasch von der Verbrennung von fossilen Energieträgern wegkommen, Energie einsparen und die dann noch benötigte Energie durch Erneuerbare herstellen.

Aber auch in der Landwirtschaft muss sich viel tun, denn diese ist ebenfalls sehr Energieintensiv und der Anbau von Soja für das Tierfutter zerstört hochwertige Waldökosysteme. Diese müssen jedoch geschützt werden. Waldschutz ist ja auch direkter Klimaschutz, da er eine Senke für CO2 ist. Wald ist auch enorm wichtig für Mikroklima und Wasserhaushalt. Und nicht zuletzt ist Waldschutz wichtig für den Artenerhalt.

Wir müssen auf vielen Ebene agieren. Als Ökostromversorger haben wir natürlich die Energiewende im Blick. Seit 15 Jahren schützen wir aber in Ecuador zusammen mit Geo schützt den Regenwald aber auch den Wald. Dies ist und ein sehr wichtiges Anliegen.

Viele Grüße aus deiner LichtBlick-Redaktion, Fränze

# Klaus Volkmann

Hallo Ihr Lichtblicker! Dass Ihr von einem Ölkonzern übernommen werden sollt,ist hoffentlich wohl eine Ente!?? Es würde einen großen Schaden anrichten. MfG.K.V.

Antwort von Fränze

Hallo Klaus, vielen Dank für deinen Kommentar. Eneco, unser Eigentümer, ist einer der großen nachhaltigen Energieunternehmen in Europa. Über den künftigen Eigentümer von Eneco wird erst Ende des Jahres entschieden. In den Medien wird momentan viel spekuliert. Eneco sucht einen Investor, der die nachhaltige Ausrichtung des Unternehmens und damit auch von LichtBlick unterstützt. Das ist auch in unserem Sinne. LichtBlick-Kunden profitieren auch zukünftig von 100 Prozent sauberen Ökostrom, fairen Preisen und unserem vielfach prämierten Service. Viele Grüße aus deiner LichtBlick-Redaktion, Fränze :)