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So fühlt sich Clean Up an: Wie ich an drei Tagen Müll sammelte – und was mir dabei begegnete

Ob in der Großstadt oder in der Natur: Wer spazieren geht, sieht meist auch jede Menge Abfall. Einwegbecher, Verpackungsreste, Getränkebehälter und Kippen finden sich fast überall. Das geht auch anders. Denn wir alle können einfach mal etwas von dem Müll einsammeln und ihn fachgerecht entsorgen. Ich habe es mit meiner Familie ausprobiert.

von LichtBlicker

Vater und Sohn in Aktion

Müllsammeln mit der Familie kann Spaß machen.
Vater und Sohn voller Tatendrang auf Mülljagd. © CF

Seit einigen Jahren gibt es verschiedene Trends, die eigene Umgebung sauberer zu machen: Vom skandinavischen Plogging, einer Kombination von Jogging und Müllsammeln, bis hin zum groß angelegten städtischen Frühjahrsputz existiert eine erstaunliche Bandbreite an Aktionen. Jede davon leistet einen Beitrag zu einer schöneren und gesünderen Natur. Denn Müll, der gedankenlos auf den Boden geworfen wird, endet oft auch im Wasser – er verschmutzt das Grundwasser oder landet im Meer.
Mit meiner Familie probiere ich es aus: Drei Tage lang wollen wir unsere Heimatstadt Hamburg sauberer machen und uns intensiv dem Müllsammeln widmen. Unseren Erstgeborenen kann ich leicht von der Mission überzeugen: Lange Zeit war sein Berufswunsch Straßenreiniger. Tatsächlich ist es gerade mit Kindern einfach, auf Müllsuche zu gehen: Für die ist das Ganze nämlich eine Kombination aus Spiel und sinnvoller Aufgabe. Wir ziehen also los, mit Plastiktüte und einer Grillzange bewaffnet.


Der Sohn ist jedenfalls hochmotiviert. Er läuft mit der Zange vor und hält Ausschau nach Unrat, den er schnappen will. Der erste Weg des Tages führt uns zum lokalen Einkaufszentrum. Die Strecke ist nicht sehr weit, bietet aber bereits erste Beute. Die Tüte, die ich hinter meinem kleinen Müllsammler hinterhertrage, füllt sich nach und nach. In der direkten Umgebung des Einkaufszentrums finden wir erst einmal nichts mehr – hier macht wohl der Reinigungsdienst sauber. Nach einigen kleineren Erledigungen geht es dann ins Grüne – da gibt es bestimmt was zu tun!

Der Herbst ist voller Laub und Taschentücher

Wer Müll sammeln will, kann dies auf einem Spaziergang im Park erledigen.
Auf der Suche nach Unrat ist im Herbst Laub etwas hinderlich. © CF

Es geht entlang der Straße in einen Park, der zum Alsterwanderweg führt. Ich selbst fungiere beim Müllsammeln als Spotter und sehe den Abfall, damit mein Sohn ihn mit der Zange in die Tüte befördern kann. Vor allem Kronkorken landen immer wieder in der Tüte, einmal sogar eine leere Bierflasche. Ansonsten, der Erkältungs-Saison geschuldet, jede Menge benutzte Taschentücher, zudem die eine oder andere Kippe und Verpackungsmüll.
Nach etwa einer halben Stunde Müllsammeln ist zumindest beim Kind die Luft raus. Ich selbst mache noch weiter, während wir die Runde durch den Park gehen. Sehr viel zu finden gibt es im Herbst allerdings nicht: Nicht nur verdecken die Blätter den Unrat, es gibt auch einfach weniger davon, weil weniger Menschen Zeit im Park verbringen.
Die wenigen Spaziergänger, die uns auf der Tour über den Weg laufen, beachten das, was wir da machen kaum. Einige ältere Menschen nicken allerdings anerkennend, als sie sehen, dass der Sohn und ich mit Grillzange und Tüte hantieren, um den Weg sauberer zu machen. Meiner Frau war die Sache zunächst etwas unangenehm aber die Reaktionen der anderen und die Begeisterung unseres Sohnes zeigen ihr: Wir tun hier etwas Richtiges und Wichtiges!


Wir leben, das fällt mir auf dieser Tour erstmals auf, in einer insgesamt recht sauberen Gegend. Dennoch bekommen wir unsere kleine Abfalltüte voll und freuen uns, dass zumindest dieser Müll im Abfalleimer landet, statt der Umwelt zur Last zu fallen. Wir haben die Welt ein Stück besser gemacht. In den kommenden Tagen unternehmen wir weitere Touren durch den Park, mit ähnlicher Ausbeute. Lediglich die Überreste einer hölzernen Bank können wir nicht mitnehmen. Die ist ein Fall für die Stadtreinigung.

Städtische Aktionen für alle

Mit einer Reihe von Aktionen rufen Städte und Vereine Bürger zum Mitmachen beim Müllsammeln auf. Die Stadtreinigung Hamburg beispielsweise hat mit "Hamburg räumt auf" einen jährlichen Frühjahrsputz im Programm. In Berlin gibt es mit der Aktion "Kehrenbürger" der Berliner Stadtreinigung ein ganzjähriges Konzept. In beiden Fällen können Interessierte ihre Teilnahme als Gruppe anmelden und erhalten dann kostenlos die nötige Ausrüstung zum Müllsammeln. Für die Berliner gibt es sogar einen Online-Kalender, auf dem kommende Aktionen zum Mitmachen einladen. Ich telefoniere etwas herum und lerne, dass die Berliner Stadtreinigung drauf zurecht stolz ist. Die Mitarbeiterin weist mich am Telefon noch einmal darauf hin, dass sich die regelmäßigen Aktionen über das gesamte Stadtgebiet verteilen und immer mehr Menschen daran teilnehmen.
Derlei Müllsammelaktionen erfreuen sich immer größerer Beliebtheit: "Hamburg räumt auf" etwa startete im Jahr 1998 mit 7.200 Teilnehmern und ist seither stetig angewachsen – 2019 waren es schon 82.488 Menschen, die sich daran beteiligten. Die Ausbeute an Müll ist dabei allerdings stark rückläufig: Waren es 2017 noch 333 Tonnen Müll, die gesammelt wurden, fielen 2019 nur noch 170 Tonnen an.
Das freut – und wundert mich. Um zu erfahren, woran das liegt, rufe ich bei der Stadtreinigung Hamburg an. Werden die Freiwilligen uneffektiver und sammeln immer weniger Müll pro Kopf – oder ist die Stadt tatsächlich sauberer geworden und es gibt einfach weniger zu finden? Eine Mitarbeiterin erklärt mit, dass es letzterer Grund sein dürfte: Die Hotline "Saubere Stadt" der Stadtreinigung (040/2576-1111) für Hinweise auf Müll-Hotspots in Kombination mit Neueinstellungen hat dafür gesorgt, dass in Hamburg schlichtweg weniger Müll herumliegt. Erfreulich!

Müll nach dem Altonaer Fischmarkt in Hamburg
Mit so einem Haufen wären mein Sohn und ich wohl überfordert. Zum Glück verschafft die Stadtreinigung aber Abhilfe – Anruf genügt. © iStock / Eivaisla

Aufräumen auch zu Wasser: Green Kayak

Nicht nur Wege und Straßen wollen entmüllt werden: Gerade Gewässer sind ein Teil des Problems. Genau da setzt das Nonprofit-Unternehmen Green Kayak an. Die Dänen bieten dabei ein simples Konzept: Du leihst dir ein Kajak mit Kescher und Müllbehälter und versprichst, auf deiner Tour nicht nur die Wasserwege zu genießen, sondern auch zu ihrer Sauberkeit beizutragen. Der Gedanke dahinter: Alle Flüsse münden irgendwann im Meer – und das ist, wie inzwischen Allgemeinwissen, besonders schlimm von Plastikmüll betroffen.
Green Kayak gibt es inzwischen auch in Deutschland: In Berlin gab es in der 2019er Paddel-Saison drei Standorte, in Hamburg kannst du inzwischen an diversen Stellen eines der kostenlosen grünen Boote bekommen. Auf meine Anfrage bekomme ich Infos zu Expansionsplänen: Für die kommenden Jahre will die NGO auch in Deutschland weiter wachsen. Auf dem Plan stehen nicht nur zusätzliche Standorte in Berlin, sondern auch Green Kayaks in kleineren Städten. Aktuell arbeiten die Macher des Projekts allerdings noch an der Finanzierung.
Da es in Hamburg schon eine Menge Standorte gibt, plane ich fest, in der Saison 2020 mit der Familie einen Ausflug mit einem der Boote zu machen. Eine tolle Möglichkeit, Geld zu sparen und gleichzeitig der Umwelt zu helfen!

Tipps zum umweltfreundlichen Müllsammeln

Wer selbst zur Tat schreiten will, sollte auf ein paar Regeln achten, damit die Aktion nicht versehentlich mehr Schaden als Nutzen für die Umwelt bringt. Der NABU Hamburg hat folgende Tipps parat:

  • Sei behutsam in der Natur und laufe möglichst nicht durchs Gebüsch, um zum Beispiel im Frühjahr keine Nester zu beschädigen.
  • Nachwuchs am Gewässerufer bedenken: Viele Vögel und Fische legen ihre Eier in Uferzonen ab, die daher tabu sind.
  • Vorsicht in Schutzgebieten: Auch beim Müllsammeln darfst du in Naturschutzgebieten den Weg nicht verlassen. Sammle also hier nur vom Wegesrand ein.
  • Laub ist kein Müll: Zwar liegen die Blätter ebenso herum, sie sind aber Zuhause für Kleinlebewesen. Die wiederum stellen die Nahrungsgrundlage für Vögel und andere Tiere dar – unter Büschen, Bäumen und auf Beeten also unbedingt liegenlassen.

Fazit

Der Selbstversuch mit der Familie hat gezeigt, dass Müllsammeln keine große Anstrengung darstellen muss: Als zusätzliche Beschäftigung auf dem Spaziergang kann es vor allem mit Kindern sogar Spaß machen und eine Extramotivation für die Kleinen sein, eine weitere Strecke zurückzulegen. Ob auf dem Arbeitsweg, in der Freizeit oder als Teil einer groß angelegten Aktion: Jeder noch so kleine Beitrag macht den Planeten etwas sauberer und ist folglich besser als nichts. Probiert es aus!

  • Müllsammeln muss nicht anstrengend sein. Es lässt sich in den Alltag integrieren.
  • Kindern lässt sich so Umweltbewusstsein beibringen.
  • Organisierte Aktionen bieten mittlerweile viele Städte an, aber auch private Initiativen.
  • Achtet beim Müllsammeln auch auf die Umwelt: meidet die Nistplätze von Vögeln und lasst Laub liegen.

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# Grretl

Danke für die Sammelaktion und den Beitrag. Ich mach das gerne am Ende eines Spaziergangs. Habe eine (alte und gebrauchte) Plastiktüte als Handschuh und eine größere, ebenfalls gebrauchte für den Müll. So brauche ich keine Tüten zu kaufen, mit allem was dazu gehört. Meistens reichen die 500 m vor dem Auto um die Tüte zu füllen.
Ich habe auch bemerkt, dass weniger Müll rumliegt. Ich bin mal so frech und schreibe noch den link zu meinem blog: https://heute-bin-ich-ein-oeko.blog/
Ich wünsche euch allen eine gute Zeit

Antwort von Anke

Hallo Grretl,

das finden wir großartig, toll! Und Deinen Blog darfst Du natürlich vorstellen ???? Da sind auch für unsere Leser*innen sicher viele spannende Themen dabei.

Vielen Dank und Dir einen schönen Tag
Anke

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