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Neue Strom-Macht Eon

18.02.2019

Die beiden Energiekonzerne RWE und Eon haben auf dem Strom- und Gasmarkt bereits heute eine sehr einflussreiche Position. Im vergangenen Jahr haben beide Unternehmen angekündigt, diese Vormachtstellung noch weiter auszubauen. Es geht um nichts Geringeres als eine Neuordnung des Energiemarkts in Deutschland. RWE wird zukünftig das Kraftwerksgeschäft übernehmen und Eon die Strom- und Gasnetze sowie das Kundengeschäft, also den Verkauf von Strom und Gas.

Ihr als Kunden könntet jetzt sagen: Ja, und was hat das mit mir zu tun? Als echte KiezStrom-Kunden schaut ihr bei eurem Stromversorger natürlich zweimal hin und prüft ihn ganz genau, bevor er euer Geld bekommt. Die Mehrheit der Kunden – rund 60 Prozent – nimmt jedoch den Weg über die Vergleichsportale, wie Check24 oder Verivox. Bei mehr als 1.000 verschiedenen Tarifen eine vermeintlich hilfreiche Alternative. Doch hier beginnen die Wettbewerbsvorteile für den neuen Eon-Konzern.

Wenn RWE und Eon sich den Markt aufteilen, wie sie wollen, wird Eon auf zwei Drittel der Fläche Deutschlands zum größten Stromanbieter. In diesen Regionen liegt der Marktanteil des Megakonzerns dann bei über 70 Prozent der Kunden. Wer sich in diesen Gebieten nun auf die Suche nach einem neuen Stromanbieter macht, wird bei den Vergleichsportalen mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Marke oder einen Tarif von Eon oder deren Tochterunternehmen angezeigt bekommen. Denn hier ist nur eine postleitzahlengenaue Suche möglich. Und der Energiekonzern wird an rund 300 regionalen Energieversorgern beteiligt sein.

Nur ein Beispiel: Wenn ihr auf St. Pauli im Postleitzahlengebiet 20359 wohnt, werden euch unter den Top-10-Suchtreffern fünf Anbieter angezeigt, an denen Eon jetzt bereits beteiligt ist oder nach dem Deal beteiligt sein wird. Doch nur bei einem Anbieter taucht der Name direkt im Tarif auf, bei zwei weiteren wird die Zugehörigkeit bei den Details genannt. Aber bei zwei Anbietern müsstet ihr eine intensivere Recherche starten, um eine Verbindung zu Eon herauszufinden. Echte Wahlfreiheit und Transparenz sehen anders aus.

Anders als Eon wird sich RWE komplett aus dem Kundengeschäft zurückziehen. Doch so wie Eon eine Monopolstellung bei den Stromtarifen einnehmen kann, so steigt die Macht von RWE bei der Energieerzeugung. Mit der Übernahme der Eon-Kraftwerke könnte der Konzern zukünftig die Strompreise diktieren. Zudem wurde bei den Protesten um den Erhalt des Hambacher Walds und auch bei der Diskussion um den Kohleausstieg die Haltung von RWE sehr deutlich: Der grünen Energie mag die Zukunft gehören, doch das Geld wird jetzt noch mit der Kohle verdient. So verwundert es auch nicht, dass beim „grünen“ Tochterunternehmen Innogy nur rund 3 Prozent Ökostrom im Strommix sind.

Der RWE-Eon-Deal sollte also aus unserer Sicht und im Sinne des fairen Wettbewerbs und der Verbraucher nicht genehmigt werden – und dafür werden wir weiter kämpfen.