08. Februar 2019

Kupfer-Abbau im Regenwald?

Seit fast 15 Jahren schützen wir Regenwald in Ecuador – pro Kunde und Monat stellen wir einen Quadratmeter Regenwald unter Schutz. Regelmäßig berichtet Carlos Zorrilla von DECOIN, unserem Partner vor Ort, über Aktuelles aus der Intag-Region. Immer wieder ist der Regenwald von Bergbau-Projekten bedroht. Aktuell berichtet Carlos Zorrilla, dass an einem Kupfer-Bergbauvorhaben auch der deutsche Autohersteller BMW beteiligt ist.

 

BMW: „Nachhaltiger“ Kupfer-Abbau im Regenwald

Nebel durch Kupferabbau im Regenwald
Auch geschützter Regenwald könnte von
Bergbau-Vorhaben bedroht sein, Foto: Carlos Zorrilla

Könnte der Autobauer BMW womöglich zur Zerstörung des Waldes in der Intag-Region beitragen? Diese Frage geht zurück auf eine Vereinbarung, die der chilenische Bergbauriese CODELCO und der deutsche Autohersteller BMW 2018 unterzeichnet haben. Diese Abmachung nennt sich „Kooperation für nachhaltigen Kupfer-Abbau“. Laut Information auf der BMW-Webseite setzen sich beide Unternehmen zum Ziel, die Kupferindustrie zu ökologischer und sozialer Verantwortung zu verpflichten. Für mich klingt es eher nach Greenwashing der umweltschädlichen Kupfergewinnung, die selbst vor den unberührten Bergnebelwäldern Ecuadors nicht Halt macht.

Eines steht für mich außer Frage: Die Ziele der BMW-CODELCO-Vereinbarung können niemals erreicht werden, wenn CODELCO in den Wäldern von Intag eine Kupfermine betreiben darf.  Der Bergbau-Konzern treibt hier bereits seit 2014 sein Unwesen.

 

Intags lange Naturschutz-Historie

In der Intag-Region setzen sich sowohl Gemeinden als auch diverse Organisationen bereits seit 24 Jahren für den Schutz der lokalen Wälder, der Artenvielfalt und der Wassereinzugsgebiete ein.

Dank erheblicher Unterstützung von Organisationen wie „GEO schützt den Regenwald“ und LichtBlick ist es uns während dieser Zeit gelungen, 41 Schutzwälder zu schaffen. Diese sind jetzt in Besitz von Gemeinden und lokalen Regierungen. Die Gemeindewälder umfassen rund 13.000 Hektar (davon fast 8.000 Hektar allein durch die LichtBlick-Kooperation). Sie dienen dem Schutz von Wassereinzugsgebieten, sie schützen Wald höchster Artenvielfalt und sind Rückzugsgebiet von hunderten von bedrohten Tierarten. Während der vergangenen 24 Jahre kamen zwei transnationale Bergbauunternehmen in unsere Region – und mussten sie wieder verlassen. Zu groß war der Widerstand der Intag-Bewohner.

 

Kein Mangel an Rechtswidrigkeiten

Protest-Plakat der Intag-Bewohner gegen Bergbau
Die Intag-Bewohner machen deutlich, dass sie keinen
Bergbau wollen – bislang erfolgreich, Foto: Carlos Zorrilla

Im Mai 2014 begann ENAMI, eine Tochtergesellschaft von CODELCO, in den Wäldern von Intag mit Erprobungen für mögliche Kupferminen. Das gelang ihnen nur dank der Begleitung durch hunderte Polizisten. Die Suche erfolgte in Waldgebieten, die zwei Gemeinden seit 1999 als Teil einer Ökotourismus-Initiative nutzten.

Kaum hatte die Erkundung nach Kupfer begonnen, zeigten die betroffenen Gemeinden – unter anderem mit Unterstützung von DECOIN – Verstöße hinsichtlich fehlender Genehmigungen, Lizenzen und Umweltverträglichkeitsstudien sowie Menschenrechtsverletzungen an. Zur Anzeige gebracht wurde etwa die unrechtmäßige Verhaftung und Inhaftierung eines Gemeindeführers für ein Jahr, die Verschmutzung des Flusses Junín und seiner Nebenflüsse. Weitere angezeigte Verstöße waren illegaler Baumeinschlag, nicht genehmigte Landnutzung und die Beeinträchtigung des Gemeinde-Tourismusgeschäfts. Doch wann immer Gemeinden Gesetzesverstöße anzeigten, lehnten die staatlichen Autoritäten die Klagen ab. Für mich war klar: Das Interesse der Bergbau-Unternehmen war dem Staat wichtiger als die Interessen der Bürger. Doch das änderte sich am 25. Januar 2019.

 

Ein sehr ungelegener Bericht

An diesem Tag veröffentlichte der Nationale Rechnungshof von Ecuador einen Berichtsentwurf zur Untersuchung in der Llurimagua Minenkonzession. Der Bericht bestätigt, was die Gemeinden seit vielen Jahren angeprangert haben. Doch er bringt noch viel mehr zu Tage: Der Bericht führt unter anderem Verstöße dutzender staatlicher Institutionen und das totale Fehlen der Reglementierung von Bergbauaktivitäten auf. Fehlende Kontrollen, so der Bericht, ermöglichten der CODELCO-finanzierten Kupfer-Erkundung unter anderem die Verschmutzung des Flusses Junín, den illegalen Einschlag von Bäumen und die Nutzung von 258 Millionen Litern Wasser ohne Genehmigung. Nach diesem Bericht erscheint es mir äußerst unwahrscheinlich, dass sich CODELCO an die Richtlinien des nachhaltigen Kupferabbaus halten wird. Und sollten die Bergbauaktivitäten in Intag weitergeführt werden, so dürfte auch BMW mit groben Verstößen gegen Umweltgesetze und Verletzungen der Menschenrechte in Verbindung gebracht werden.

Eine der wichtigsten Erkenntnisse des Berichts war, dass die fehlende Kontrolle zum Abbruch der Aktivitäten hätte führen müssen. Am gleichen Tag als der Rechnungshof seinen Bericht veröffentlichte, geschah die entsetzliche Bergbaukatastrophe in Brumadinho, Brasilien, bei der hunderte Arbeiter und Siedler starben – wohlmöglich auch aufgrund mangelnder Überwachung seitens der Regierung. BMW sollte ernsthaft darüber nachdenken, die Vereinbarung mit CODELCO aufzukündigen.

Unsere Autorin


Anke Blacha
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