Berichte aus Ecuador


  

Juli

Neues aus der Intag-Region, aus Cotacachi und Ecuador
Mary Ellen Fieweger, Herausgeberin der Intag-Zeitung, schreibt:

Erneut eine Millionen Quadratmeter Schutzwald gekauft

Das LichtBlick-Schutzgebiet wächst weiter. Im August konnten erneut 100 Hektar Wald gekauft werden. Der durch LichtBlick finanzierte Gemeindeschutzwald von Cuellaje ist somit auf 2261 Hektar angewachsen. Doch DECOIN-Mitarbeiter Armando Almeida, der für Walderkundungen und zuständig ist, hält auch weiterhin ohne Unterlass Ausschau nach weiteren Primärwaldflächen, die zum Verkauf stehen, um die geschützten Flächen zu vergrößern. Javier Ayala, der neue Bezirkspräsident von Cuellaje, plant, das Schutzgebiet seiner Gemeinde für das staatliche Programm „Socio Bosque“ anzumelden. Dieses Programm zahlt jährlich eine bestimmte Summe je Hektar geschützter Waldfläche an deren Besitzer. Im Fall von Cuellaje könnten die dadurch generierten Einnahmen in Gemeindeprojekte investiert werden.

Mit Palm-Setzlingen in die Kirche


Die aus elf Mitgliedern bestehende Gruppe hat reichlich zu tun: Der Boden der Baumschule ist durch die frühere Nutzung als Viehweide ausgelaugt und nährstoffarm, er wird daher bearbeitet und angereichert. Bei seinen Bauarbeiten am Wärterhaus wird der endlich eingetroffene Maurer jeden Tag durch ein anderes Projektmitglied unterstützt. Und: ein neues Beet mit Wachspalm-Samen wurde angelegt, da die Verkaufschancen für die Pflanzen sehr gut sind. Bis auf diese Ausnahme ist die Produktion neuer Baumsetzlinge künftig erst dann vorgesehen, wenn eine entsprechende Bestellung vorliegt. Doch in diesem Fall reagieren die Projektbetreiber auf das landesweite Verbot, Wachspalmwedel für die traditionelle Segnung am Palmsonntag zu schneiden. Statt der Palmwedel tragen die katholischen Gläubigen nun Palm-Setzlinge zur Kirche, um diese zu Beginn der Osterwochen im Frühjahr segnen zu lassen. Mit den bislang verkauften Bäumen machte die Gruppe 1.850 Dollar Gewinn. Jedes Mitglied erhielt 60 Dollar als Anerkennung für die geleisteten Dienste. Das restliche Geld wird in Gruppenprojekte investiert. Die hohe Motivation der Mitglieder rührt daher, erklärt Telésforo Chusquillo, dass sie erkannt haben, wie wichtig ihr Beitrag für die Wiederaufforstung und für den Waldschutz im Intag ist.

Kaffeebauern: Gute Ernte, schlechte Nachrichten

Die Mitglieder der Río Intag Kaffeebauern (AACRI: Agricultural-Artisanal Coffeegrowers Association of Río Intag) sind derzeit mit der Ernte beschäftigt. Nach mehreren Missernten ist 2010 endlich wieder ein gutes Jahr für die Kaffeebauern. Doch Probleme gibt es immer noch. Das größte Problem hat die kanadische Minengesellschaft Copper Mesa hinterlassen: Um den Widerstand gegen die geplanten Bergbauaktivitäten zu brechen, hatte Copper Mesa versucht, Basisorganisationen wie AACRI zu zerstören, denn diese schaffen Arbeitsplätze oder verhelfen Einheimischen zu Einkommensverbesserungen.

Die Minengesellschaft hatte einen konkurrierenden Verband für Kaffeebauern gegründet. Dieser bot den Bauern zwar keinerlei technische Hilfe bei der Produktion, kaufte ihnen den Kaffee jedoch zu einem weit höheren Preis ab als AACRI dies konnte. Schlimmer noch: Die neue Organisation kaufte den Bauern auch Kaffee von schlechter Qualität zu extrem hohen Preisen ab. AACRI dagegen hat strenge Regeln: den Spitzenpreis von 136 Dollar je 45 kg-Sack Kaffee erzielen nur perfekt getrocknete Bohnen allerbester Qualität. Als die Copper Mesa den Intag verließ, hofften die AACRI-Mitglieder, dass auch der konkurrierende Verband verschwinden würde. Doch dies war nicht der Fall. Die gleichen Leute, die zuvor im Auftrag der Minengesellschaft gehandelt haben, kaufen auch weiterhin Kaffee an; nur das Firmenlogo am Gebäude wurde entfernt. Kürzlich erhielt nun der AACRI-Präsident, Edmundo Varela, Besuch von einem Mitglied des Kaffeebauern-Verband in Loja. Dieser berichtete, dass seine Organisation zugrunde gegangen sei, weil die Mitglieder der Versuchung erlegen waren, ihren Kaffee an den Höchstbietenden zu verkaufen, anstatt ihrer eigenen Organisation. Der Repräsentant aus Loja war überzeugt, dass es sich bei jenen, die Höchstpreise zahlten, um „Drogengeld-Wäscher“ handelte. Nachdem die Geldwäscher einige Jahre Kaffee angekauft hatten, fanden sie andersartige Möglichkeiten, um ihr illegal erwirtschaftetes Geld anzulegen. Der Verband von Loja jedoch hatte zu diesem Zeitpunkt bereits seine früheren Absatzmärkte eingebüßt und muss sich nun einen neuen Markt aufzubauen. Die Drogenpolizei soll jetzt die Hintergründe für die überteuerten Kaffeekäufe im Intag untersuchen.

Kinder pflanzen Hoffnung


Der Juni war ein Monat vieler Umweltschutzaktivitäten und Festivitäten in der Region. Während Schüler der Abschlussklassen an Lesewettbewerben und Umweltforen teilnahmen, feierten die Kleinsten einen „Tag des Kindes“, an dem es um den fürsorglichen Schutz von Mutter Natur ging. Ausgerichtet wurden die Aktivitäten von dem Projekt Sembrando Esperanzas, was „Hoffnung pflanzen“ bedeutet, finanziert durch INFA, das staatliche Institut für Kind und Familie. Mehr als 1.300 Menschen nahmen an den Feierlichkeiten am 26. Juni im Gemeindezentrum von Cuellaje teil.

Froscher entdecken Mini-Frosch


Spannende Nachrichten aus einer ganz anderen Ecke Ecuadors liefert ein Biologe: Der Amphibien-Experte Juan Manuel Guayasamín berichtete jüngst über die Entdeckung des kleinsten Wirbeltieres des Landes: Es handelt sich um einen Frosch mit dem lateinischen Namen Pristimantis minimus. Er ist so klein, dass er auf den Daumennagel eines Kindes passt. Der Frosch hat einen transparenten Bauch und misst ausgewachsen nur zwei Zentimeter. Der Winzling wurde in der Cordillera del Cóndor (ein östlicher Ausläufer der Anden) entdeckt, nahe der Grenze zu Peru. Bei den Studien, die zur Entdeckung des Frosches führten, arbeiteten Wissenschaftler des Zoologischen Museums der Katholischen Universität von Ecuador, des Herbariums von Loja sowie der Universitäten von Louisiana und Illinois, USA, zusammen.

Der „Minimus“ lebt nur in den feuchtesten Teilen der Wälder. Auch er ist bedroht durch die Minenprojekte der Landesregierung. Im Interview mit Periódico INTAG sagte Dr. Guayasamín: „Es ist ein Privileg, in einem Land wie Ecuador zu leben, in dem die Menschen umgeben sind von einer schier endlosen Vielfalt anderer Lebensformen. Es ist außerdem eine große Verantwortung, und leider hat die Landesregierung immer ein größeres Interesse daran gehabt, nicht-erneuerbare Ressourcen wie Erdöl und Erze auszubeuten, als die Natur intakt zu erhalten. Jeder, der behauptet, ein Ökosystem könne sich nach dem Erz-Tagebau wieder regenerieren, der muss sich einen Lügner schimpfen lassen. Die biologische Vielfalt ist nicht mehr zu ersetzen und kann nicht wiedererlangt werden, indem man neue Bäume pflanzt.“